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pax christi

menschen machen frieden - mach mit.

Unser Name ist Programm: der Friede Christi. 

pax christi ist eine ökumenische Friedensbewegung in der katholischen Kirche. Sie verbindet Gebet und Aktion und arbeitet in der Tradition der Friedenslehre des II. Vatikanischen Konzils. 

Der pax christi Deutsche Sektion e.V. ist Mitglied des weltweiten Friedensnetzes Pax Christi International.

Entstanden ist die pax christi-Bewegung am Ende des II. Weltkrieges, als französische Christinnen und Christen ihren deutschen Schwestern und Brüdern zur Versöhnung die Hand reichten. 

» Alle Informationen zur Deutschen Sektion von pax christi

Frage des Monats

Der pax christi Diözesanverband Münster sucht den politischen Dialog zu aktuellen Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik. In diesem Jahr stellen wir ausgewählten politischen Vertretern jeden Monat eine Frage, zu der wir unterschiedliche oder gegensätzliche Meinungsäußerungen erwarten.

Wir veröffentlichen ihre Antworten und bitten jeweils ein Mitglied aus unserer Bewegung um einen Kommentar. Alle Texte stellen wir auf unsere Homepage.

So möchten wir zur Auseinandersetzung und Meinungsbildung über friedensrelevante Themen beitragen.

Das Archiv und damit alle "Fragen des Monats" finden Sie rechts im Kasten zum Download.


Mai

Unsere Frage:

„Die Raketentests Nordkoreas beunruhigen die Welt. Kim-Jong-un scheint machtbesessen und unberechenbar zu sein. Doch ebenso beunruhigend sind die Reaktionen Donald Trumps. Steuern wir auf einen Weltkrieg zu, womöglich mit Atomwaffen? Wie sollte sich die Bundesregierung in der akuten Krise verhalten?“

Es antwortet:

  • Stephan Orth, Bündnis 90/Die Grünen (Münster)

Wie umgehen mit internationalen Konflikten? Eskalation ist der falsche Weg – Zuschauen auch. Definiere ich keine Grenzen und fordere deren Einhaltung, brauche ich mich nicht wundern, wenn diese wiederholt überschritten werden. Die wichtigste Grenze ist die individuelle Menschenwürde.

Christen glauben an die Erlösung des Menschseins – die Versöhnung unserer inneren Zwiespältigkeit. Wir wollen selbstreflektiert sein, aber nicht „neben uns“ stehen. Das hat Konsequenzen. Ein Freiheitsbild ohne Grenzen bzw. Konsequenzen eigenen Handelns wäre eine egozentrische und ignorante Perversion von Freiheit und würde die Freiheit des Gegenübers unterwandern.

In diesem Kontext ist ein Staat wie Nordkorea, der Zivilisten foltert und ununterbrochen mit militärischen Aktionen droht und aktiv an einer atomaren Langstreckenrakete arbeitet, in die Verantwortung zu ziehen. Die Eskalation dieser Lage ist nicht mehr zu verhindern – sie ist bereits eskaliert.

Ähnliches Potential liegt im Syrienkonflikt oder auch im Ukrainekonflikt, direkt vor unserer europäischen Haustür.

Kein Omega ohne Alpha, kein Ende ohne Anfang. Eine Bundesregierung sollte allem voran aktiv handeln. Dieses Handeln sollte aber durchdacht sein. Es wäre beispielsweise naiv anzunehmen, Deutschland könne internationale Konflikte im Alleingang lösen – zumal bei einer Bundeswehr mit offensichtlicher Blindheit auf dem „rechten Auge“.

Der Brexit, die europäische Finanzkrise und das rechtspopulistische Wählerpotential lehren: Die Vertiefung der europäischen Integration ist essentiell! Für meine Generation selbstverständlich. Außenpolitisch wie wirtschaftlich haben kleine Nationalstaaten keine Chance, sich im internationalen Vergleich zu behaupten. Doch viele Menschen – auch Politiker – tun sich schwer. Angst vor dem Verlust der Kultur, der Eigenheit und der Souveränität. Die Zeit aber bleibt nicht stehen, sie ist im stetigen Wandel. Wir müssen uns fragen, was ist es wirklich wert, die Zeit zu überdauern? Nationalstaatliche und politische Strukturen des 19. Jahrhunderts jedenfalls sind kein Zukunftsmodell – ohne die Bereitschaft zur „Wandlung“ bieten sie weder Halt noch Sicherheit, sondern den kontinuierlichen Verlust unserer Freiheit, Werte und unseres Lebensstandards.

Hier müssen wir alle gemeinsam ran.

  • Marc Würfel-Elberg, CDU Münster

Auf einen Weltkrieg mit Atomwaffen steuern wir in der Nordkorea-Politik nicht zu, wohl aber besteht das Risiko eines regionalen militärischen Schlagabtausches mit Nordkorea, der seitens des Regimes auch mit Atomwaffen geführt werden könnte. Dies wäre verheerend und hätte sicherlich auch globale Auswirkungen. Donald Trump hat durch seine Äußerungen und Taten versucht, Bewegung in die Sache dahingehend zu bringen, dass China als Schutzmacht mehr disziplinierend auf seinen Nachbarn einwirkt. Dies ist und kann aber nur begrenzt erfolgreich sein, u.a. da der Einfluss Chinas angesichts steigenden Selbstbewusstseins der Atommacht Nordkorea schwindet. Die UN-Sanktionen werden nur halbherzig umgesetzt und China erhält das Regime auch mit Öl-Lieferungen weiterhin am Leben, da es an einem politisch-wirtschaftlichen Zusammenbruch Nordkoreas wenig Interesse hat, da dies zu Flüchtlingsströmen führen würde.

Die Bundesregierung sollte sich weiterhin daran beteiligen, die UN-Sanktionen gegen Nordkorea aufrecht zu erhalten und sich für direkte Verhandlungen zwischen den USA und Nordkorea aussprechen. Immerhin hatte Donald Trump solche Gespräche mehrfach in Aussicht gestellt.

  • Dr. Hartmut Koch

Die Monatsfrage besteht aus einer Prämisse (1) und zwei Fragen (2, 3)

Ad 1.: Der nordkoreanische Diktator ist sicher machtbesessen, aber keineswegs unberechenbarer. Im Gegenteil: Sein Interesse ist klar berechenbar. Die Macht seiner Dynastie muss erhalten bleiben. Imperiale Ausweitungen hat er nicht im Sinn.

Ad 2.: Der Alarmismus Ist vollkommen unbegründet. Wir steuern nicht auf einen Weltkrieg zu. Das Schüren solcher Ängste dient lediglich dazu, den militärindustriellen Komplex zu stärken.

Ad 3.: Die Bundesregierung soll sich einer großen Gelassenheit befleißigen und die UNO bei ihren Sanktionsmaßnahmen unterstützen.

Es kommentiert:

  • Eberhard Ockel, Vorstandsmitglied pax christi im Diözesanverband Münster):

Herr Orth nutzt offenbar das Stichwort beunruhigend, um eine breite Palette von Assoziationen zu streuen, die von seinem Christenglauben ausgehen und bei unserer Freiheit landen. Trump wird als Faktor ausgelassen. Ich finde es bedauerlich, dass auf unsere Frage, aus der ja die Sorge vieler Mitmenschen spricht, nicht eigentlich geantwortet wird

Hingegen zeigt sich Herr Würfel-Elberg sehr gut informiert und antwortet präzis auf unsere Frage. Hinsichtlich des Trump-Risikos für den Weltfrieden scheint er mir zu optimistisch; und die neuerlichen Aktionen (der riesige Waffendeal mit Saudi-Arabien und die Brüskierung Europas) geben kaum Anlass zu Optimismus.

Herr Dr. Koch fasst sich bemerkenswert kurz; er blendet auch (wie Orth) den Präsidenten der USA aus, warnt hingegen vor dem in unserer Frage - nach seiner Einschätzung - unbegründten Schüren von Ängsten. Insofern übt auch er - implizit - Kritik an unserer Fragestellung. Er analysiert sie gekonnt, obwohl das Ergebnis/seine Antwort mir recht pauschal und uneindeutig scheint.